Netzmusik-Definitionen (kurz)

Netzmusik

Die Verwendung des Begriffs >Netzmusik< bezeichnet in diesem Blog diejenige Musik, welche durch die Strukturen eines Netzwerkes (insbesondere dem Internet) über die Darstellung und Verbreitung hinaus geprägt wird. Dabei werden spezifische Eigenschaften des Internets strukturell reflektiert. Die Musik entsteht in Interaktion des Mediums mit dem Nutzer.

Soundtoys

Soundtoys  sind musikalische Spielzeuge und werden am deutlichsten durch ihre spezifischen Ideen charakterisiert: sie sind atmosphärisch mystifizierte, spielerisch zu entdeckende virtuelle Räume. Nicht nur quantitativ sondern auch in Bezug auf ihre Bekanntheit führen Soundtoys den interaktiven Musikmarkt an. Diese Bekanntheit basiert unter anderem auf ihrer Interaktionsstruktur, die normalerweise auch Nutzer ohne besondere technische und musikalische Kenntnisse befriedigende Ergebnisse erzeugen lässt. Die Herstellung von Soundtoys fixiert sich auf Standard-Autoren-Software wie Flash. Daraus resultiert eine große Begrenztheit: Vernetzungskonzepte, für die sich das Internet anbietet, können musikalisch nicht einbezogen werden. Weitere Einschränkungen der Standardsoftware wirken sich u.a. in visueller Steuerung, in geringen Interaktionsmöglichkeiten und geringer Komplexität aus. Daher fesseln Soundtoys die Aufmerksamkeit meist nur eine kurze Zeit. Einige Beispiele bieten daher gleich mehrere Instanzen einer variierten Interaktionsidee in aufeinander folgenden Stufen an.

Hyperinstrumente

Hyperinstrumente sind für das Spiel im Ensemble angelegt, wobei die Kommunikationsweise der Improvisation mit herkömmlichen Instrumenten gleichkommt. Tatsächlich aber greifen hier Algorithmen modifizierend in die musikalische Kommunikation ein, daher kann die Nutzung mit der Navigation in einem Hypertextdokument verglichen werden. Das bedeutet, dass wesentliche Bestandteile, Parameter oder Strukturen der Musik vom Autor des Systems stammen. Als Instrumente können sie bezeichnet werden, da diese Ausprägungen von Netzmusik  zugleich hohe klangfarbliche Komplexität und ein großes Maß an Kontrolle über deren Erzeugung ermöglichen.

Audio-Live-Tools

Audio-Live-Tools sind im Grunde auch Soundtoys, dienen aber vor allem zur  Medienproduktion. Sie entspringen meist einer kommerziellen (Kommunikations-)Idee und sollen eine Produktbindung schaffen, indem sie beispielsweise Fans die Möglichkeit geben, die Hits ihrer Stars online zu remixen. Das Marketingpotenzial solche Anwendungen ist hoch, genauso hoch ist allerdings auch der qualitative Aufwand, der bei der Konzeption und Herstellung solcher Online-Audioprogramme betrieben wird. Die Nutzer können auf diese Weise Interesse für Software-Produkte im Musikbereich entwickeln. Die Ergebnisse lassen sich im Anschluss meist herunterladen.

Im Grunde handelt es sich bei dieser Gattung nahe der Form von Soundtoys, doch haben sie einen ganz anderen Charakter. Nicht der Reiz des Sonderbaren, des Effektes steht im Vordergrund, sondern eine “naive” Form des Musikproduzierens mit stark vereinfachten (dadurch übersichtlichen) Mitteln. Weiterhin charakteristisch ist eine enge Anbindung an kommerzielle Produkte (Bacardi, Ford etc.) und dass schnell ansprechende Ergebnisse (Erfolgserlebnisse) mit ihnen erzielt werden können.

Algorithmische Installationen

Mit algorithmischen Installationen wird die Möglichkeit geschafft, den Charakter des Internets in seiner Struktur zu begreifen, d.h. speziell auf seine Eigenheiten einzugehen. Algorithmen liegen jeder softwarebasierten Musik zugrunde. Netzmusik ist daher grundsätzlich von  Algorithmen geprägt. In einigen Fällen treten sie in den Vordergrund und werden zum zentralen Gegenstand der Auseinandersetzung mit Musik.

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